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Wahlprüfsteine: Was sagen die Parteien zu Inklusion und Teilhabe?

Landtagswahl Sachsen-Anhalt, September 2026

Wie diese Wahlprüfsteine entstanden sind

Im Rahmen unseres zweitägigen politischen Bildungsworkshops „(H)alle behindert – Sachsen-Anhalt hat die Wahl“ haben sich 16 Teilnehmende mit unterschiedlichsten Behinderungen aus ganz Sachsen-Anhalt intensiv mit der bevorstehenden Landtagswahl auseinandergesetzt. Mit dabei waren Menschen, die im Werkstattrat aktiv sind, Menschen aus Tagesfördergruppen sowie Rentnerinnen und Rentner – eine bewusst vielfältige Gruppe, die ganz unterschiedliche Lebensrealitäten in die Diskussionen einbrachte.

Besonders war dabei: Die Themen kamen nicht von uns, sondern von der Gruppe selbst. Ausgehend von den eigenen Lebenserfahrungen legten die Teilnehmenden fest, zu welchen politischen Fragen sie die Positionen der Parteien kennenlernen und vergleichen wollten. Bevor es um die tatsächlichen Parteipositionen ging, positionierten sich die Teilnehmenden anhand von Streitlinien zunächst selbst und entwickelten eigene, reflektierte Standpunkte – unter anderem unterstützt durch ein Planspiel zur Dorfgründung und den politischen Kompass.

Entwickelt wurden die Wahlprüfsteine von Andreas Petrik in Zusammenarbeit mit David Jahr (beide Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg). Sie speisen sich aus zwei Quellen: zum einen aus den Themen, die die Teilnehmenden im Workshop selbst als Streitlinien gewählt haben, zum anderen aus Themenfeldern, die Menschen mit Behinderung unmittelbar und spezifisch betreffen.

Dokumente zum Download

Aus dem Workshop: Die Themen unserer Teilnehmenden

Diese sechs Thesen haben die Teilnehmenden selbst als Streitlinien gewählt und dazu am zweiten Workshop-Tag die Parteipositionen verglichen. Es sind sowohl Themen, die Menschen mit Behinderung direkt betreffen (Inklusion, Werkstätten), als auch breitere gesellschaftspolitische Fragen, die der Gruppe wichtig waren:
Thema These Linke BSW Grüne SPD CDU FDP AfD
Inklusion und Schule Mehr gemeinsamer Unterricht, weniger Förderschule ✅✅ ✅✅ ❌❌
Werkstätten und Arbeitsmarkt Menschen aus Werkstätten sollen bessere Chancen auf reguläre Arbeit bekommen ✅✅
Energie und Windkraft Mehr Windkraftflächen trotz Widerstand vor Ort ❌❌
Migration und Bezahlkarte Mehr Bargeld und Selbstbestimmung statt strenger Bezahlkarte ✅✅ ❌❌ ❌❌
Sicherheit und Strafen Mehr Hilfe und Vorbeugung statt härterer Strafen ✅✅ ✅✅ ❌❌
Geld und Steuern Mehr staatliche Investitionen statt Sparkurs ✅✅ ✅✅ ✅✅

Ertgänzend: Aus dem Workshop: Die Themen unserer Teilnehmenden

Über die Workshop-Diskussionen hinaus haben wir die Parteipositionen zu weiteren Themenfeldern eingeordnet, die für Menschen mit Behinderungen im Alltag besonders relevant sind – von Wohnen über Mobilität bis zum Bundesteilhabegesetz:

ThemaTheseLinkeBSWGrüneSPDCDUFDPAfD
Barrierefreies WohnenMehr barrierefreie und bezahlbare Wohnungen✅✅✅✅✅✅
Mobilität und VerkehrBarrierefreie und bezahlbare Mobilität für alle✅✅✅✅✅✅
Digitale BarrierefreiheitDigitale Angebote müssen barrierefrei sein✅✅
Kultur, Sport und FreizeitMehr barrierefreie Kultur-, Sport- und Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung✅✅✅✅✅✅✅✅
BTHG (Monitoring und Beschwerde)Menschen mit Behinderung brauchen wirksame Beschwerdemöglichkeiten✅✅?✅✅

Zu den Themen Förderprogramme/finanzielle Leistungen und soziale Teilhabe liegt aktuell noch keine vollständige Partei-für-Partei-Bewertung vor; diese Übersicht wird im Rahmen der weiteren Auswertung ergänzt.

Legende

SymbolBedeutung
✅✅dafür
dafür mit Einschränkung
dagegen mit Einschränkung
❌❌dagegen
?keine belastbare Einordnung möglich

Wie sind die Einordnungen entstanden?

Grundlage für die Einordnung der Parteipositionen waren in erster Linie die aktuellen Wahl- und Regierungsprogramme der Parteien zur Landtagswahl 2026, ergänzt um öffentliche Aussagen von Politiker:innen sowie weitere Fach- und Rechtsquellen zur Einordnung von Zuständigkeiten und aktuellen Entwicklungen.

Mehr als nur eine Tabelle

Diese Wahlprüfsteine sind kein fertiges Produkt, das wir den Teilnehmenden vorgesetzt haben – sie sind das Ergebnis eines partizipativen Prozesses, in dem Menschen mit Behinderung selbst entschieden haben, welche politischen Fragen für sie wichtig sind. Genau das war uns wichtig: Menschen mit Behinderung sind nicht nur Zielgruppe politischer Bildung, sondern aktive Mitgestalter:innen – von der Themenwahl bis zur Diskussion der Ergebnisse.

Wir hoffen, dass diese Übersicht auch über unseren Workshop hinaus eine Orientierungshilfe für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bietet.

Ein Projekt von Lebens(t)raum e.V. in Zusammenarbeit mit David Jahr und Andreas Petrik (Universität Halle).

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